Diversität im Jugend hackt Lab

Technologienahe Communities sind häufig männlich, hetero, weiß. Dieses Muster zeigt sich bereits in der Schule und zieht sich durch Ausbildung, Studium und Berufsleben. Als Bildungsprojekt möchte Jugend hackt dabei helfen, die Strukturen, die dahinter liegen, aufzubrechen.
Bei Jugend hackt kommen Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren zusammen, um gemeinsam „mit Code die Welt zu verbessern“, wie es in unserem Motto heißt. In Wochenend-Hackathons und regelmäßigen Workshopangeboten in den Jugend hackt Labs – analog und digital – arbeiten die Jugendlichen gemeinsam mit ehrenamtlichen Mentor:innen an Projekten, die gesellschaftliche oder persönliche Herausforderungen aufgreifen und nach kreativen Lösungen suchen.
Uns ist wichtig, Räume zu schaffen, in denen wir unsere eigenen Denkmuster und unsere Privilegien immer wieder hinterfragen und lernen, alte Muster zu überwinden. Geschlecht, sexuelle Orientierung und Identität und Hautfarbe sind dabei nur einige Beispiele für Merkmale, anhand derer Personen diskriminiert werden. Weitere Formen von Diskriminierung betreffen den Bildungshintergrund von Personen, den sozio-ökonomischen Hintergrund, die Religion, verschiedene Formen von Behinderungen oder das Aussehen.
Diese Liste ist nicht erschöpfend und wir möchten betonen, dass wir keine Hierarchisierung von Diskriminierungsformen vornehmen möchten. Wir versuchen, in der Beschreibung, der Reihenfolge und der Häufigkeit der Nennung einzelner Diskriminierungsformen möglichst ausgewogen vorzugehen. Wir sind uns auch bewusst, dass verschiedene Formen von Diskriminierung ineinander greifen und sich die Auswirkungen auf die Betroffenen dadurch verstärken können.

Was tun wir, um möglichst diverse Zielgruppen zu erreichen?

Wir haben in den letzten Jahren verschiedene Maßnahmen ergriffen, um Jugend hackt zu einem diverseren Ort zu machen: Wir reservieren Diversity-Plätze, die dafür sorgen, dass bei den Anmeldungen für unsere Veranstaltungen unterrepräsentierte Gruppen priorisiert werden. Wir haben mit „Mädchen vernetzen“ ein Event geschaffen, das sich ausschließlich an Mädchen richtet und ihnen einen Raum gibt, in dem sie sich ausdrücken können, ohne von Jungen beurteilt zu werden. Wir sprechen außerdem für alle unsere Angebote gezielt
weibliche Mentor:innen an. Tatsächlich ist es uns auch gelungen, in den letzten Jahren den Mädchenanteil bei unseren Veranstaltungen deutlich auf mittlerweile rund 30 Prozent zu erhöhen.
Bei der Werbung für die Angebote wird bei den Formulierungen bewusst darauf geachtet, diese so zu wählen, dass sich sowohl Personen, die sich bereits stark mit Technik assoziieren angesprochen fühlen, als auch jene, die noch unsicher sind, ob sie denn genug können und wissen.
Es sollen möglichst alle Barrieren genommen werden, die interessierte Personen abhalten könnten, an den Jugend hackt Lab Angeboten teilzunehmen. Darunter fällt auch der Aspekt entstehender Kosten. In der Regel sind daher die Angebote in den Labs kostenfrei und nur in seltenen Fällen ist eine Anmeldung nötig. Auch wird vor jeder Veranstaltung abgefragt, ob technische Leihgeräte gebraucht werden, um den Zugang auch Jugendlichen zu ermöglichen, die zuhause möglicherweise nicht mit technischen Geräten ausgestattet sind.

Wie steht es um Diversität bei Jugend hackt?

Wo stehen wir eigentlich? Das ist schon gar keine leichte Frage. Wie messen wir Diversität? Und was messen wir da eigentlich? Wir haben statistische Angaben über die Teilnehmer:innen, die Jugend hackt Events besuchen. Da lässt sich zusammenfassend sagen: Der Großteil unserer Teilnehmer:innen (80 bis 90%) kommt vom Gymnasium, der Anteil von cis-Jungen liegt (soweit wir das überhaupt sagen können) bei 60 bis 70%.
In unserem Netzwerk aus Mentor:innen und Orgateams und unserem hauptamtlichen Team sieht es ähnlich aus. Wir sind überwiegend Akademiker:innen, der Anteil an FLINTA (Frauen, Lesben, inter Personen, nicht-binäre Personen, trans Personen, agender Personen) ist in den Orgateams etwas höher als bei den Mentor:innen. Andere Identitätsmerkmale können wir nicht in Zahlen ausdrücken und im Grunde auch nur spekulieren. Sexuelle Orientierung, Gender-Identität, Herkunft, Hautfarbe, Religion, Behinderungen, familiärer Background: Das sind Dinge, die wir (durchaus auch bewusst) nicht abfragen, die aber natürlich im Bereich Anti-Bias trotzdem eine große Rolle spielen.

Kritisches Hinterfragen und klare Regeln

In unserem Code of Conduct haben wir klare Regeln formuliert, wie wir miteinander umgehen wollen, um diskriminierendes Verhalten zu verhindern, mit dem Ziel, dass sich alle bei uns wohlfühlen können. Das ist aber nur ein Schritt von vielen: Wir sind alle in diesen gesellschaftlichen Strukturen groß geworden, das heißt jede:r von uns trägt diskriminierende Strukturen auch in sich. Es ist daher völlig normal, dass wir alle sexistische, rassistische oder anderweitig diskriminierende Gedanken und Verhaltensmuster zeigen. Niemand muss beispielsweise ein:e handfeste:r Rassist:in oder Nazi sein, um rassistische Dinge zu tun oder zu denken. Alle Regeln helfen nichts, wenn wir uns hier nicht immer wieder kritisch hinterfragen und Kritik ernst nehmen. Wir wollen daher auch in Zukunft verstärkt an unseren internen Strukturen und Prozessen arbeiten und klare Strukturen erarbeiten, die uns dabei helfen uns selbstkritisch zu reflektieren.


Mehr Informationen zu aktuellen Projekten von Jugend hackt gibt es hier: Jugend hackt – Mit Code die Welt verbessern